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  1. Halbleiter-Poesie und kostenloses Know-How

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    17.08.2015 von plaintron

    In memoriam Jim Williams, der mich mehr über Schaltungstechnik lehrte als alle anderen Menschen, die jemals versuchten, mir etwas darüber beizubringen.

    In diesem Blog möchte ich eigentlich keine einzelnen Firmen, Marken oder Produkte hervorheben (solange sie mich nicht schrecklich gut dafür bezahlen 😉 ), aber letztendlich stellt all die Komponenten, mit denen man als Bastler so arbeitet, irgend eine Firma her, deren Name dann auch genannt werden muss. Und manche Hersteller geben sich einfach sehr viel Mühe bei der Entwicklung neuer Bausteine oder sind auf ihrem Gebiet außergewöhnlich kompetent.

    In meiner Lehrzeit haben mich speziell die durchdachten Schaltungen von Maxim fasziniert, weil damit oft eine Aufgabe mit einem einzigen IC gelöst werden konnte, für die vorher eine ganze Platine notwendig war. Heute erlebe ich das immer wieder mit Bauteilen von Linear Technology, besonders bei linearen und getakteten Spannungsreglern sowie bei A/D- oder D/A-Wandlern.

    Außerdem mag ich die Application Notes von LT. Als das Internet gerade anfing interessant zu werden, habe ich alles was ich an „AN“-Dokumenten von LT bekommen konnte heruntergeladen, ausgedruckt (Festplatten waren damals ziemlich klein) und in Ordnern gesammelt. Viele dieser mehrseitigen Abhandlungen zu einem bestimmten Thema waren nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam geschrieben, weshalb ich die gewöhnlich lieber gelesen habe als meine Fachbücher aus der Hochschulbibliothek.

    LT-Entwickler Jim Williams hat in der „Application Note 35“ von 1989 über Schaltregler geschrieben und sehr verständlich erklärt, wie ein Step-Down-Regler entwickelt wird und worauf man bei der Anwendung achten muss. Eine Seite, auf der es um die Auswahl der richtigen Induktivitäten geht, zitiere ich hier komplett, weil sie mir so gut gefällt:

    lt-inductors

    Jim Williams starb im Juni 2011 und bleibt vielen Entwicklern als Quelle kreativer Lösungen und tiefgehenden Analog-Know-Hows in Erinnerung.

    Viele Texte, die er für LT schrieb, finden sich in diesem Archiv:

    Texte von Jim Williams
    http://www.linear.com/doclist/?au=Jim+Williams

    Sichert Euch diese Kunstwerke, bevor sie verschwinden.

    williams_doodle

    Letzte Seite der Application Note 25 vom September 1997
    Switching Regulators for Poets
    A Gentle Guide for the Trepidatious

    http://cds.linear.com/docs/en/application-note/an25fa.pdf

     

    Links:

    Better before bigger: How Linear Tech was built
    http://www.edn.com/design/systems-design/4439975/Better-before-bigger–How-Linear-Tech-was-built

    Reading Jim Williams
    http://readingjimwilliams.blogspot.de/

    Jim Williams’ Coffee-Table Book for Analog Engineers
    http://electronicdesign.com/blog/jim-williams-coffee-table-book-analog-engineers

    An Analog Life: Remembering Jim Williams
    http://www.computerhistory.org/atchm/an-analog-life-remembering-jim-williams/

    Jim Williams and Bob Pease
    http://realityandreason.blogspot.de/2011/06/jim-williams-and-bob-pease.html

    Analog guru Jim Williams dies after stroke
    http://www.edn.com/electronics-blogs/readerschoice/4368121/Analog-guru-Jim-Williams-dies-after-stroke

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  2. Projektidee: Tochscreen-Labornetzteil

    5

    08.08.2015 von plaintron

    vamos_psu_kopf

    Es gibt ein paar Projekte, an denen kommt kaum ein Bastler vorbei. Das Labornetzteil gehört neben Funktionsgenerator, Belichter, Reflow-Ofen und einigem anderen Werkbank-Zubehör ganz oben auf die Bastel-Liste.

    Mein erstes geregeltes Netzteil habe ich in der Lehrzeit gebaut, mit einem 2N3055 als Linearregler und mit zwei schönen analogen Anzeigen. Mit 12V und maximal 1A hat es mir lange Zeit gute Dienste geleistet, wurde dann aber irgendwann durch ein chinenisches Schaltnetzteil mit 30V und 3A ersetzt.

    In letzter Zeit sind mir allerdings ein paar Bauteile in die Hände gefallen, die danach schreien, endlich wieder ein Netzteil zu entwerfen, und zwar eins, das die nächsten 20 Jahre für alle Anwendungen die passenden Features hat und in der Entwicklung und der täglichen Nutzung wirklich Spaß macht.

    Mein Arbeitsplatz ist zwar ziemlich breit, aber es fehlt an Tiefe. Also muss ein kompaktes Gehäuse her. Eine Steckdosenleiste, die ich vor einiger Zeit hauptsächlich wegen des interessanten Pultgehäuses gekauft habe, wird also geschlachtet und umfunktioniert.

    steckdosenleiste

    Damit für jede Anwendung die richtige Versorgung parat ist, habe ich zwei regelbare Ausgänge mit 28V und 3A eingeplant. Außerdem kommen noch zwei Festspannungen dazu, 12V und 5V bieten sich an. Zusätzlich hätte ich gerne USB-Anschlüsse, an denen ich schnell und ohne viel Gestöpsel Arduino-Boards versorgen kann.

    xl4016_obenIm chinesischen Gemischtwarenhandel ist mir ein Step-Down-Regler über den Weg gelaufen, der sich vom üblichen China-Schrott deutlich unterscheidet: Saubere Verarbeitung, sinnvoll entworfene Schaltung und wirklich die Leistung, die drauf steht. Er arbeitet mit dem Schaltregler XL4016 von XLSEMI, ein bei uns kaum erhältliches Teil, der mit nur 5 Pins einfach zu verwenden ist und beeindruckende Leistungswerte zu bieten hat.

    xl4016_hintenAn dem Schaltregler habe ich schon rumgelötet und das Poti für die Spannungseinstellung mit einer Steuerspannung aus einem D/A-Wandler verbunden. Das funktioniert sehr gut. Auf der Unterseite sieht man den XL4016 und eine doppelte Schottky-Diode. Normalerweise sitzt hier ein Kühlkörper. In meinem Fall soll der Schaltregler aber direkt auf dem Gehäuseboden befestigt werden und diesen zur Kühlung nutzen.

    Mit den anderen beiden Potis werden die Strombegrenzung und der Schwellenwert für die Überstromabschaltung eingestellt. Diese beiden Funktionen werde ich voraussichtlich nicht nutzen, und zwar aus folgendem Grund: Die Ausgangsspannung des Schaltreglers ist leicht wellig. Also muss ich mit Elkos glätten. Dann habe ich aber keine schnell veränderbare Spannung am Ausgang, weil die Elkos erst entladen müssen, wenn ich die Spannung reduziere. Mehr als 10µF sollten nicht parallel zu den Ausgangsbuchsen hängen.

    Die Lösung ist ein nachgeschalteter Linearregler, der sich auch um die Strombegrenzung kümmert. Ein gewöhnlicher LM317 bzw. dessen stärkere Brüder kommen hier nicht in Frage, da sie sich nicht bis auf 0 Volt herunterregeln lassen. Ich bräuchte dann also eine negative Referenzspannung und das ist mir zu viel Aufwand. Außerdem sollte die Drop-Out-Spannung, also der minimale Spannungsabfall zwischen Ausgang und Eingang des Regler, möglichst gering sein.

    Linear Technologies hat hier die Lösung in Form des LT3083. Das ist ein wirklich beeindruckender Regler, der zwar nicht billig ist, aber jede Menge Vorteile mitbringt, die ich demnächst noch genauer erläutern werde.

    lt3083

    Ebenfalls von LT kommt der A/D-Wandler LTC2945. Dieser Baustein ist ein kompletter Power-Monitor mit I2C-Bus, der nur einen Shunt braucht, um Strom- und Spannungwerte mit einer Genauigkeit von 12 Bit zu liefern.

    Einen D/A-Wandler brauche ich auch. Hier kommt ein LTC2633 zum Einsatz, der ebenfalls einen I2C-Bus hat. Kurz zur Erklärung, warum ich nicht die Analogpins des Controllers verwende: Ich möchte mit einem einzigen Controller für die gesamte Schaltung arbeiten (wahrscheinlich der erste Einsatz meines Teensy). Dieser soll von den Ausgangsspannungen galvanisch getrennt sein. Die beiden Ausgangsspannungen möchte ich auch symmetrisch verwenden können, also dürfen sie keine gemeinsame Masse haben. Das geht nur, wenn ich A/D- und D/A-Wandlung im jeweiligen Schaltkreis der Ausgangsspannung einbaue und das I2C-Signal dann über einen Isolator zum Controller führe. Diese galvanische Trennung übernimmt bei mir der ADuM1250 von Analog Devices, auch ein beeindruckendes IC, über das ich demnächst mehr schreiben möchte.

    display_vorneDer Teensy soll auch die zwei Touch-Displays verwalten. Ich möchte zwei 2,4-Zoll-Displays mit SPI verwenden und diese sowohl für die Anzeige der Ausgangswerte als auch für die gesamte Steuerung des Controllers verwenden.

    display_hintenDer Touch-Controller ist bereits auf dem Board montiert. Hier wird ein chinesischer Nachbau des Controllers ADS7845 von TI/Burr-Brown verwendet, ein XPT2046. Der Display-Controller ist ein ILI9341, für den es jede Menge gute Bibliotheken gibt. Ein Schacht für eine SDHC-Karte ist auch vorhanden. Darauf lassen sich Bitmaps und Fonts für die Dartellung speichern. Außerdem lassen sich darauf komplette Setups sichern, etwa bestimmte Spannung/Strom-Kombinationen.

    So weit mein kurzer Einblick in die Schaltungstechnik. Wenn ich mit dem Aufbau anfange gibt es mehr Details. Da es an Baustellen bei mir nicht mangelt, wird das wohl noch ein paar Monate dauern.

    Immerhin habe ich schon genaue Vorstellungen, wie das Labornetzteil aussehen soll. Auch bei diesem Projekt habe ich erst mal ein Modell in Sketchup erstellt:

    vamos_psu_012-7_exp

    Die Drehgeber für die Einstellung von Spannung und Strom haben eine eingebaute RGB-LED und eine transparente Achse. Das sieht nicht nur cool aus, sondern ist auch zur Anzeige des jeweiligen Modus praktisch. Der Encoder leuchtet blau während der Spannungseinstellung und rot bei der Wahl der Strombegrenzung.

    Dazu passen die beleuchteten Taster. Hier kommen kleine Metalltaster mit LED-Ring und 14mm Außendurchmesser in schwarz und chrom zum Einsatz.

    Was fehlt, sind passende Polklemmen. Hirschmann kommt optisch nicht in Frage, das China-Sortiment ist qualitativ einfach nicht so wie ich es möchte. Also bleibt mir nur, die Buchsen ebenfalls selbst zu bauen. Aber das ist eine andere Geschichte, von der zu anderer Zeit berichtet werden soll. 😉

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