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  1. Blogger: Was motiviert Euch?

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    13.08.2015 von plaintron

    Seit ich mich mit Blogsoftware beschäftige, es dürften etwa 10 Jahre sein, habe ich einige Blogs angefangen, zu sehr unterschiedlichen …
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  2. Bitte umwerbt mich!

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    10.08.2015 von plaintron

    AdBlock aktiviert, NoScript konfiguriert, Cookies streng kontrolliert, Flash deinstalliert, Spam isoliert, PR-Artikel sofort identifiziert, den Rest ignoriert – mein Netz ist werbefrei. Das langweilt mich.

    Liebe Werber,

    ich bin echt leicht zu haben: Für Werbung, die mich interessiert. Es gibt bestimmt viele tolle Angebote und technische Spielereien, von denen ich überhaupt nichts weiß, obwohl ich sie sofort kaufen würde. Warum erzählt Ihr mir nichts darüber? Nur weil ich Euch aus meinem Online-Leben verbannt habe, heißt das doch nicht, dass ich ein schlechter Konsument bin, oder?

    Ja, ich weiß. Genau das ist Euer Dilemma: Ihr habt überhaupt keine Ahnung, was mich interessiert, obwohl Ihr pausenlos versucht, genau das herauszufinden. Ihr sollt das auch überhaupt nicht herausfinden. Außer ich erzähle es Euch. Und das tue ich ebenfalls pausenlos, auf vielen Kanälen. Aber niemand hört mich. Reden wir vielleicht einfach konsequent aneinander vorbei?

    Eigentlich mag ich Werbung. Ich lese zum Beispiel alle Newsletter, die ich freiwillig abonniert habe. Wenn Pollin, RS, Distrelec oder Reichelt neue Produkte vorstellen, schaue ich mir jedes davon genau an. Wenn Delwi, Harlander oder ESM-Computer ihre gebrauchte Hardware anpreisen, überlege ich sofort, ob ich davon nicht etwas gebrauchen könnte. Auch die Mails von diversen Ebay-Shops öffne ich, und regelmäßige Angebote von Fachverlagen oder Software-Anbietern interessieren mich auch.  Meinen Adblocker deaktiviere ich sogar auf manchen Seiten, weil die Werbung dort so interessant ist, dass ich sie nicht verpassen will oder weil sie zumindest nicht nervt. Dave Jones mit seinem EEV-Blog ist so ein Fall. Oder der Heise-Newsticker.

    Auch in der Offline-Welt ist Werbung manchmal OK. Wenn ich die “brand eins” lese, freue ich mich über kreative und thematisch passend gestaltete Anzeigen. Die Werbung im Make-Magazin ist ebenfalls meistens interessant. Weil es sich dort um Angebote handelt, die für mich potentiell nützlich sind. Sogar im lokalen Werbeblättchen lese ich die Annoncen der örtlichen Betriebe, wenn sie schön gemacht sind.

    Aber das, was zur Zeit unter dem Namen Onlinewerbung auf die Netzbewohner losgelassen wird ist, sorry, unter aller Kanone. Es ist technisch eine absolute Zumutung, wenn der Werbecontent mehr Speicher- und Übertragungskapazität benötigt als der Nutzcontent. Aber auch optisch besteht Onlinewerbung aus einer Reihe von Ohrfeigen und Peitschenhieben: Kauf! Mich! Jetzt! Du! Sau!

    Wer tut sich denn sowas freiwillig an? Wer will auf Schritt und Tritt von Stalkern und Marktschreiern verfolgt werden, deren Angebot so komplett neben meinen Interessen liegt, dass es schon wieder lustig bis absurd ist? Meint Ihr echt, wenn ich auf Scienceblogs einen atrologiekritischen Artikel lese, möchte ich Werbung für die nächstbeste Wahrsager-Hotline sehen? Oder weil ich via Google nach dem Begriff “Multivibrator” gesucht habe, bin ich auf den nächsten zehn Online-Magazinen reif für Sexspielzeug-Anzeigen? Seid Ihr nicht ganz dicht? Sowas kann man doch nur blocken. Das ist Notwehr.

    Aber schauen wir uns lieber an, was bei mir funktioniert:

    Themenbezogene Werbung:

    Wenn ich mich auf Seiten bewege, die mich thematisch interessieren, kann dort auch gerne passende Werbung angezeigt werden. Aber bitte ohne Gezappel, ohne grelle und ablenkende Flash-Animationen und vor allen Dingen: ohne Ton! Wenn ich in einem Tech-Blog Texte über mobile Endgeräte lese, schaue ich mir auch gerne Hinweise auf die neuesten fernöstlichen Gadgets an, ohne die ich zukünftig als notorischer Technikverweigerer gelte. Wenn ich die Website eines Fachmagazins für Programmierung besuche, interessieren mich vermutlich auch passende Entwicklungswerkzeuge und Fachliteratur. Aber ich will dort sicher keine Reise buchen und auch keinen Gebrauchtwagen erwerben.

    Newsletter:

    Dank ziemlich eindeutiger Gesetzgebung entscheide ich selbst, ob ich einen Newsletter bekommen möchte oder nicht. Deshalb erreichen mich nur Newsletter von Firmen, denen ich wohlgesonnen bin. Die möchte ich aber bitte nicht jeden Tag haben. Einmal pro Woche langt völlig. Wenn es irgendwelche Sonderaktionen gibt, etwa Gutscheine oder zeitlich befristete Angebote, auch mal einen zwischendurch. Und gestaltet die bitte so, dass ich ihnen alle relevanten Informationen entnehmen kann. Ich will nicht erst irgendwas anklicken, um zu erfahren, dass der gezeigt Artikel in Wirklichkeit überhaupt nicht das ist, was im Newsletter behauptet wird.

    Print:

    Magazine aus Papier haben auch im Online-Zeitalter noch diverse Vorteile. Sie brauchen keinen Strom, keine Netzwerkverbindung, sind günstig zu erwerben, auch bei hellem Sonnenlicht gut lesbar und, für mich wichtig, im Idealfall optisch ansprechend gestaltet, mit eleganten Schriften, gut gemachter Grafik, hoher Auflösung und auf haptisch angenehmem Papier gedruckt. Das ist doch ein ideales Umfeld, um auch Werbung interessant zu gestalten. Als Leser nehme ich mir viel mehr Zeit als vor dem Monitor, kann also auch einen ausführlicheren Werbetext in Ruhe lesen, wenn er mir etwas zu erzählen hat, was sich von plattem Marketing-Blabla deutlich unterscheidet.

    Social Media:

    Das scheint ein besonders schwieriges Umfeld zu sein, weil Werbung dort wenig Akzeptanz findet. Da geht es mehr um die persönlichen Beziehungen. Wer eine Markenbindung in sozialen Netzwerken erreichen will, muss das vorzugsweise auf der persönlichen Ebene tun. Von Facebook habe ich mich schon vor einiger Zeit verabschiedet, deshalb kann ich nicht beurteilen, womit Anbieter dort erfolgreich sind. Bei Twitter fallen mir besonders Firmen auf, die durch guten Service auf sich aufmerksam machen, zuhören können, unterhaltsam sind und dem Kunden helfen können, wenn es darauf ankommt. In meiner Timeline sei hier beispielhaft der Account von Reichelt genannt, weil die Kommunikation herzlich, persönlich und natürlich ist. Pollin reagiert durchaus auf Anfragen, könnte aber noch viel mehr Interaktion zeigen. Aber auch diverse Halbleiterhersteller machen dort gute Arbeit. Atmel liefert ständig interessante Beiträge auf dem “Makes“-Account, allerdings empfehle ich eher deren Blog “Bits & Pieces“. Micrel hat durchaus etwas zu erzählen, ist aber ziemlich einseitig in der Kommunikation, Analog liest sich gut, betreibt aber reinen Sendebetrieb. Von LT würde ich mir auch etwas Diskussionbereitschaft wünschen. Da ist also noch viel Luft nach oben.

    Sonstige Online-Werbung:

    Online-Werber geben sich ja viel Mühe beim “Targeting“, also dem Versuch, möglichst passende Werbung zu liefern, gewöhnlich auf Basis riesiger Datensammlungen. Es bleibt nur leider bei “stets bemüht” und der Note “ungenügend”. Wenn ich den Eindruck habe, dass sich Werbung an meinen Surfgewohnheiten orientiert, fühle ich mich ausspioniert. Seiten, die mir Werbung präsentieren, die sich irgendwie auf meine History bezieht, besuche ich nie wieder. Wenn ich den Shop von Conrad Electronic aufrufe (was mir so gut wie nie passiert), werde ich über diverse andere Seiten von deren Anzeigen verfolgt. Das deutet also auf Tracking-Cookies hin und ich will das nicht. Außerdem lässt die Datenschutzerklärung von Conrad sehr viel Spielraum für exzessiven Adresshandel. Im Ergebnis hat Conrad deswegen bis an mein Lebensende keine Chance mehr, mit mir Geschäfte zu machen. Wenn ich ewas suche, das es nur bei Conrad gibt, brauche ich es definitiv nicht, zumal Service und Preise ohnehin für mich indiskutabel sind.

    Targeting in der Form, dass die Werbung zum jeweiligen Thema der aufgerufenen Seite passt, finde ich in Ordnung. Das ist meiner Meinung nach auch mit weniger Aufwand für die Werbe-Anbieter verbunden. Anstatt im riesigen Heuhaufen mit enormem Rechenaufwand ein “Target” zu finden, dürfte es doch einfacher sein, sich dort hinzustellen, wo das Zielpublikum freiwillig hingeht, oder? Dort kann ich als Anbieter auch mit viel mehr Aufmerksamkeit und weniger Ablehnung rechnen.

    tl;dr

    Also, liebe Werber: Bitte umwerbt mich! Grundsätzlich interessiert mich, was Ihr zu sagen habt. Euer Problem kann ich nicht lösen. Ich kann euch nur erzählen, wie Ihr mich erreicht. Aber wer mich anbrüllt, verfolgt und ungefragt belästigt, auf welchem Wege und in welchem Medium auch immer, fliegt raus. Für immer.

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