Magnetischer Platinenhalter

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27.02.2016 von plaintron

Wie macht Ihr das, wenn Ihr an einer Platine herumlöten wollt? Ob komplette oder teilweise Bestückung, auslöten von durchgesteckten oder oberflächenmontierten Bauteilen, Reparaturen – irgendwie muss die Platine stabil gehalten werden.

drittehandBisher hatte ich so eine „Dritte Hand“ im Einsatz, ein Stativ mit zwei Kokoklemmen. Das Teil ist aber einfach zu wackelig, wenn großere Platinen eingespannt sind oder ein Bauteil mit viel Kraftaufwand herausgehebelt werden soll.

Weller hat eine stabilere Lösung im Angebot. Das ist ein Lötrahmen mit zwei Backen, die sich zusammenschieben und festklemmen lassen. Das Teil ist allerdings teuer und die Anwenderberichte sind eher durchwachsen.

schraubstockFür kleinere Platinen tut es ein Mini-Schraubstock. Damit lässt sich auch mal ein Stecker an ein Kabel anlöten oder eine Litze verzinnen. Aber auch die Lösung ist nicht wirklich komfortabel, weil ich mit einer Hand die Platine oder den Stecker zwischen die Backen balancieren muss, um gleichzeitig mit der anderen Hand an der Spindel zu drehen.

Dann gibt es noch diverse Lötrahmen mit Spannfedern. Die sind aber relativ leicht gebaut und ebenfalls unhandlich, in typischer China-Grabbeltisch-Qualität. Das ist auch nichts für mich.

LR250M_04Vor einiger Zeit sind mir bei einem Hersteller von Reflow-Lötanlagen ein paar kleine Alu-Winkel mit eingepressten Magneten aufgefallen. Die lassen sich einfach auf eine Stahlplatte setzen, zusammenschieben und die Platine dazwischen einspannen. Also habe ich mir diese Winkel besorgt und damit gearbeitet. Das funktioniert im Prinzip nicht schlecht, aber die Magnete sind zu schwach, die Winkel zu klein und die Spannmöglichkeiten zu unflexibel.

Deshalb habe ich mir überlegt, wie sich sowas perfektionieren ließe. Passende Alu-Winkel gibt es bei Fischer-Elektronik als Kühlkörper für Leistungsbauteile. Im Einzelhandel sind diese Winkel derzeit leider nur bwinkel-3deim großen „C“ erhältlich. Größere Stückzahlen (ab 20) lassen sich direkt beim Hersteller beziehen. Um senkrecht oder waagerecht Platinen oder Stecker einspannen zu können, habe ich mir entsprechende Nuten in die Winkel gefräst. Auch die Oberkante ist angefräst, um größere Werkstücke, z.B. ein Gehäuse, halten zu können.

Kräftige Magnete finden sich in großer Auswahl bei Ebay. Ich habe mich für Neodym-Ringmagnete 10x3mm entschieden. Die Haltekraft pro Magnet liegt bei ca. 1,5kg. Bei drei Magneten pro Winkel habe ich die beste Stabilität, wobei sich die Magnete trotzdem noch gut auf der Grundplatte verschieben lassen. Durch das Loch in der Mitte werden die Magnete vernietet.

Als Basis habe ich mir 2mm Stahlblech auf 100x200mm zuschneiden lassen. Damit diese Platte nicht auf dem Arbeitstisch verrutschen kann, wird sie auf der Unterseite mit Neopren beklebt. Die Oberseite habe ich durch eine Folie aus PTFE-beschichtetem Glasgewebe mit Silikonkleber geschützt (Hightechflon). Das Zeug ist genial, weil es hitzebeständig und leicht zu reinigen ist.

Und so sieht das fertige Gerät aus:

LR2010-90_01

Diesen Halter habe ich jetzt seit ca. 2 Wochen im Einsatz und benutze ihn wirklich ständig, selbst wenn ich nur mal schnell einen Draht verzinnen will. Er nimmt wenig Platz auf der Werkbank weg und ist so leicht zu bedienen, dass ich an Schraubstock und Krokoklemmengestell überhaupt nicht mehr denke.

Weil die Einzelteile in kleinen Mengen kaum zu bekommen sind, habe ich gleich ein paar mehr gebaut. Wer einen haben will, kann den über mein Ebay-Profil bestellen oder mir hier eine Nachricht hinterlassen.

 

Weitere Ideen:

Harris Werkstattseite – Schwenkbarer Platinenhalter

MakerPlane – Lötrahmen aus Holz

SA5BKE – ham radio blog – Kunststoff-Bestückungsrahmen

Adafruit-Blog – Löthalterung aus dem 3D-Drucker

Makerbeam – Löthalter aus Systemprofilen

WattsWorks – PCB-Halter aus Kunststoff gefräst

EEVblog-Forum – Diskussion PCB holder

Hackaday-Links – Magnethalter aus Silikonknetmasse

Alexi Guitars – Halterung aus Massivholz

Mr. Electronic – Bestückungsrahmen BR200/300

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8 Kommentare zu “Magnetischer Platinenhalter

  1. Florian Mai sagt:

    Das ist eine durchaus gute Idee. Bei Platinen, die zu groß oder zu unhandlich (oder zu sensibel) für die dritte Hand sind, habe ich bisher immer ein höchst professionelles Konstrukt aus Klopapier-Rollen, Schachteln und Werkzeug speziell angefertigt.

    Wenn ich mal Geld übrig habe, bestelle ich einen Halter bei dir.

    PS: Schön, mal wieder was zu lesen hier 😉

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  2. plaintron sagt:

    Hi Florian,

    auch schön von dir zu lesen 🙂
    Deine Spezialanfertigungen kenne ich bestens, so ähnlich lief das hier auch immer, weil mir einfach keine zusätzlichen Finger wachsen wollen.

    Die Magnethalter eignen sich ganz prima als Geschenk für befreundete Bastler, habe ich festgestellt, Deshalb sind schon nicht mehr so viele da und ob ich noch eine zweite Charge baue wird sich zeigen. Der meiste Aufwand liegt in der Beschaffung der Teile, aber das ist bei Mini-Serien normal, denke ich.

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  3. Florian Mai sagt:

    Ja, ich habe gerade gesehen, dass da nicht mehr so viele verfügbar sind in deinem Shop. Dann muss ich entweder schnell genug sein, mir selbst welche bauen, oder weiterhin mit den Spezial-Halterungen basteln 😀

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  4. plaintron sagt:

    Selbst bauen ist handwerklich keine große Herausforderung, denke ich. So kam ich ja auch auf die Idee: Hey, zwei Winkel, eine Platte, paar Magnete, fertig ist der Lack. Und mehr als 20 Euro soll es nicht kosten dürfen. Und dann ging es los: Keine Bastelapothekenfiliale um die Ecke, also Teile irgendwo bestellen, schon waren 15 Euro Versandkosten weg und eine Menge Material übrig. Ich denke, wenn man passendes Material im Keller findet, ist das alles kein Akt.

    Die Sache mit dem Verkauf, auch bei den anderen Bauteilen, ist eigentlich aus der Not entstanden, dass Kleinmengen oft nicht billiger sind als größere Kontingente. Nachteil: Beim Verkauf bleibt fast ein Drittel des Preises bei Ebay, Paypal, Post/DHL und Finanzamt hängen. Aber wenigstens habe ich so immer genug Vorräte, um nicht jede Kleinigkeit in China ordern zu müssen 😉

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  5. Mathias Walter sagt:

    Hi!

    Deine Lösung gefällt mir sehr gut. Ich wollte schon fast bei http://www.mrelectronics.de zuschlagen, weil ich endlich mal was Gescheites suche, wo man schnell und zuverlässig Platinen einspannen kann. Mit den Magneten finde ich am besten, da nix zu drehen und groß einzustellen ist.

    Hast du vielleicht noch zwei Winkel und ggf. eine Grundplatte übrig?

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  6. plaintron sagt:

    Hi Mathias,

    Einzelteile habe ich noch auf Lager und inzwischen gibt es auch ein paar kleine Änderungen an der Konstruktion, die das Teil noch zweckmäßiger machen (andere Magnete, Rutschhemmung, stabilere Beschichtung der Grundplatte). Nächste Woche werde ich voraussichtlich wieder ein paar Exemplare bauen und kann dir gerne eine Nachricht schicken wenn sie fertig sind.

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  7. Mathias Walter sagt:

    Ja, dass wäre super. Ich würde gern zwei Sets nehmen. Kannst mir ja per Mail einen Preis schicken oder hier öffentlich schreiben.

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